8. Lektion Sabbat, den 23. Mai 2026


Der Prophet von Patmos

LEITTEXT: „Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß an der Brust Jesu, welchen Jesus liebhatte.“ (Johannes 13, 23.)

Zum Lesen empfohlen: Das Wirken der Apostel, S. 537-554.

„Nach der Himmelfahrt Christi erwies sich Johannes als ein treuer, gewissenhafter Arbeiter für seinen Meister.“ – Das Wirken der Apostel, S. 545.

1. Der Jünger, welchen Jesus lieb hatte 17.05. (So) 

a. Welche Beispiele zeigen die besondere Nähe des Jüngers Johannes zu Jesus? Matthäus 17, 1; Markus 14, 33; Lukas 8, 51.


„[Johannes] erfreute sich offensichtlich in besonderem Maße der Freundschaft Jesu. Viele Zeichen des Vertrauens und der Liebe des Heilandes hatte er empfangen. Er war einer von den dreien, die Zeugen der Herrlichkeit Christi auf dem Verklärungsberg und des Kampfes in Gethsemane sein durften. Und in den letzten Stunden seines Leidens am Kreuz hatte der Herr gerade ihm die Sorge für seine Mutter übertragen.“ – Das Wirken der Apostel, S. 537.

b. Wie wird Johannes unter den Jüngern hervorgehoben? Johannes 13, 23; 21, 20 (erster Teil). 24.

„Johannes und Jakobus, Andreas und Petrus mit Philippus, Nathanael und Matthäus waren enger mit ihm verbunden gewesen als die andern und hatten auch mehr von seinen Wundern gesehen. Petrus, Jakobus und Johannes waren ihm besonders eng verbunden; sie waren fast immer mit ihm zusammen, sahen seine Wunder und hörten seine Worte. Johannes war noch inniger dem Herrn zugetan. Er wurde als der bezeichnet, den Jesus liebhatte. Der Heiland liebte sie alle; aber Johannes besaß das empfänglichste Gemüt, war der jüngste von ihnen und öffnete Jesus sein Herz in kindlichem Vertrauen. Dadurch wurde die Verbindung mit Christus enger und inniger, und er konnte die tiefsten geistlichen Lehren des Heilandes seinem Volk mitteilen.“ – Das Leben Jesu, S. 280.

2. Ein verwandelter Charakter 18.05. (Mo) 

a. Welche Bedeutung hat der Name, den Jesus Johannes und seinem Bruder Jakobus gab? Markus 3, 17.


„Johannes hatte nicht von Natur aus das liebenswürdige Wesen, das sich in seinem späteren Leben zeigte. Anfangs wies er bedenkliche Charakterfehler auf. Er war nicht nur stolz, geltungssüchtig und ehrgeizig, sondern auch ungestüm und empfindlich, wenn er beleidigt wurde. Er und sein Bruder wurden deshalb ‚Donnerskinder‘ genannt.
Der geliebte Jünger hatte ein aufbrausendes Temperament, war rachsüchtig und kritisierte gerne. Doch der göttliche Lehrer entdeckte unter all diesen Fehlern ein brennendes, aufrichtiges und liebevolles Herz. Jesus tadelte die Selbstsucht des Johannes, zerbrach seinen Ehrgeiz und stellte seinen Glauben auf die Probe. Gleichzeitig aber offenbarte er ihm das, wonach sich sein Herz sehnte: die Schönheit der Heiligkeit, die umwandelnde Macht der Liebe.“ – Das Wirken der Apostel, S. 537. 538.

b. Wie lernte Johannes eine neue Art, mit anderen umzugehen? Johannes 13, 34;
1. Johannes 4, 7. 8.


„Die Lehre Christi, dass Sanftmut, Geduld und Liebe wesentliche Voraussetzungen für ein Wachstum in der Gnade und für die Brauchbarkeit in seinem Dienst sind, war für Johannes von höchstem Wert. Sorgfältig prägte er sie sich ein und trachtete beständig danach, dass sein Leben dem göttlichen Vorbild ähnlich werde. Johannes hatte zu erkennen angefangen, worin die Herrlichkeit Christi besteht — nicht in weltlicher Pracht und Macht, auf die zu hoffen er gelehrt worden war, sondern dass es sich um ‚eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit‘ (Johannes 1, 14) handelt.“ – Das Wirken der Apostel, S. 541. 542.

c. Beschreibe die Auswirkungen eines Herzens, das voller Liebe zu unserem Mitmenschen ist. 1. Johannes 3, 10. 11; Johannes 13, 35.

„Die innige Zuneigung des Johannes zu seinem Meister hatte nicht Christi Liebe zu ihm zur Folge, sondern war das Ergebnis seiner Liebe. Johannes wünschte Jesus ähnlich zu werden, und unter dem umwandelnden Einfluss der Liebe Christi wurde er sanftmütig und demütig. Sein Ich war in Jesus verborgen. Mehr als alle seine Mitjünger ordnete sich Johannes der Macht jenes wunderbaren Lebens unter… Johannes kannte den Heiland aus persönlicher Erfahrung. Die Lehren seines Meisters waren ihm ins Herz geschrieben. Wenn er von der Gnade des Heilandes sprach, dann verlieh die Liebe, die sein ganzes Wesen durchdrang, seinen Worten Vollmacht.“ – Das Wirken der Apostel, S. 542.

3. Auf Patmos verbannt 19.05. (Di)

a. Wohin wurde Johannes schließlich gesandt, nachdem die Versuche, ihm das Leben zu nehmen, erfolglos geblieben waren? Offenbarung 1, 9.


„So wurde Johannes nach Rom vor Gericht geladen, um dort seines Glaubens wegen verhört zu werden. Vor der Obrigkeit wurden die Lehren des Apostels falsch dargestellt, und falsche Zeugen beschuldigten ihn der Verbreitung aufrührerischer Irrlehren. Durch diese Beschuldigung hofften seine Feinde den Tod des Jüngers herbeizuführen.
Johannes verantwortete sich auf eine klare, überzeugende Weise und mit einer solchen Bescheidenheit und Offenheit, dass seine Worte eine starke Wirkung ausübten. Seine Zuhörer waren erstaunt über seine Weisheit und seine gewandte Rede. Aber je überzeugender sein Zeugnis wurde, desto heftiger entbrannte der Hass seiner Gegner…
Johannes wurde in einen Kessel mit siedendem Öl geworfen; aber der Herr bewahrte das Leben seines treuen Dieners, wie er es einst mit den drei Hebräern im feurigen Ofen getan hatte. Als es hieß: So sollen alle umkommen, die an den Betrüger Jesus Christus von Nazareth glauben, erklärte Johannes: Mein Meister ertrug geduldig alles, was Satan und seine Engel erdenken konnten, um ihn zu kränken und zu quälen. Er gab sein Leben, um die Welt zu retten. Es ist mir eine Ehre, um seinetwillen leiden zu dürfen…
Diese Worte verfehlten ihren Eindruck nicht, und Johannes wurde von denselben Männern, die ihn in den Kessel geworfen hatten, wieder herausgezogen…
Auf Befehl des Kaisers wurde er nach der Insel Patmos verbannt… Von dort aus – meinten seine Feinde – könnte er keinen Einfluss mehr ausüben und würde schließlich den Entbehrungen und Leiden erliegen.“ – Das Wirken der Apostel, S. 566. 567.

b. Welches kostbare Vorrecht brachte seine Verbannung mit sich? Offenbarung 1, 1-3. 10. 11.

„Patmos, eine öde, felsige Insel im Ägäischen Meer, war von der römischen Regierung als Verbannungsort für Verbrecher auserwählt worden. Für den Knecht Gottes aber wurde dieser düstere Aufenthaltsort zur Pforte des Himmels. Abgeschnitten von dem geschäftigen Treiben des Lebens und dem Wirken der vergangenen Jahre, erlebte er dort die Gemeinschaft mit Gott, Christus und den himmlischen Engeln. Von ihnen empfing er für alle kommenden Zeiten Unterweisungen für die Gemeinde. Die Ereignisse, die sich am Ende der Weltgeschichte zutragen sollten, wurden dort vor seinen Blicken entrollt; und dort schrieb er die Gesichte nieder, die er von Gott empfing.“ – Das Wirken der Apostel, S. 567.

4. Eine Begegnung mit Christus 20.05. (Mi) 

a. Wie erschien Christus dem Johannes in einer Vision auf Patmos? Offenbarung 1, 12-16.


„[Der geliebte Jünger] war Zeuge des schweren Kampfes seines Meisters in Gethsemane gewesen, als auf dessen Angesicht der Schweiß wie Blutstropfen stand und ‚seine Gestalt hässlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Menschenkinder‘. (Jesaja 52, 14.) Er hatte ihn in den Händen der römischen Soldaten gesehen, angetan mit einem alten Purpurmantel und einer Dornenkrone auf dem Haupt. Er hatte miterleben müssen, wie Jesus am Kreuze auf Golgatha hing, verhöhnt und verspottet. Nun durfte Johannes seinen Herrn noch einmal schauen. Doch wie ganz anders war seine Erscheinung! Er war nicht mehr ein Mann der Schmerzen, von Menschen verachtet und geschmäht. Jetzt war er in ein Gewand von himmlischem Glanz gekleidet… Patmos erglänzte von der Herrlichkeit des auferstandenen Herrn.“ – Das Wirken der Apostel, S. 578. 579.

b. Wie reagierte Johannes, und welchen Auftrag hatte Jesus für ihn? Offenbarung 1, 17-19.

„Johannes wurde gestärkt, um die Gegenwart seines verherrlichten Herrn ertragen zu können. Dann wurde vor seinem erstaunten Blick die Herrlichkeit des Himmels enthüllt. Er durfte den Thron Gottes schauen und über alle irdischen Kämpfe hinweg die weißgekleidete Schar der Erlösten sehen. Er hörte die Loblieder der Engel des Himmels und den Siegesgesang derer, die überwunden hatten durch des Lammes Blut und das Wort ihres Zeugnisses. In der Offenbarung, die ihm zuteil wurde, wurden ihm Begebenheiten über Begebenheiten enthüllt, die für die Erfahrung des Volkes Gottes höchst bedeutsam sind. Außerdem wurden ihm die künftigen Geschicke der Gemeinde bis zum Ende der Zeit gezeigt. In Zahlen und Sinnbildern erfuhr Johannes Dinge von außerordentlicher Bedeutung, die er niederschreiben sollte, damit Gottes Volk in seinen wie in den kommenden Zeiten Aufschluss über die ihnen bevorstehenden Gefahren und Kämpfe erhielte.“ – Das Wirken der Apostel, S. 579. 580.

c. Wie ist das Buch der Offenbarung eine Botschaft an uns persönlich? Offenbarung 1, 4-6; 3, 22.

„Diese Offenbarung sollte der christlichen Gemeinde aller Zeiten zur Unterweisung und zum Trost dienen. Dennoch haben christliche Lehrer behauptet, die Offenbarung sei ein versiegeltes Buch, und ihre Geheimnisse könnten nicht erklärt werden. Aus diesem Grunde haben viele sich von dem prophetischen Buch abgewandt und weigern sich, Zeit und Mühe daran zu wenden, seine Geheimnisse zu erforschen. Gott will aber nicht, dass sein Volk Vorbehalte gegen dieses Buch hat.“ – Das Wirken der Apostel, S. 580.

5. Die Gegenwart Christi zugesichert 21.05. (Do) 

a. Was bedeutete die Vision von Christus unter den sieben goldenen Leuchtern? Offenbarung 1, 20.


„Von Christus heißt es, dass er mitten unter den sieben goldenen Leuchtern wandelt. Das versinnbildet seine enge Beziehung zu den sieben Gemeinden. Mit seinem Volk steht er in ständiger Verbindung. Er kennt dessen wahren Zustand. Er achtet auf die Haltung, Frömmigkeit und Hingabe seiner Kinder. Wenn er auch Hohepriester und Mittler im himmlischen Heiligtum ist, wird er doch als der dargestellt, der inmitten seiner Gemeinden hier auf Erden einhergeht. Mit unermüdlicher Wachsamkeit und unablässiger Sorgfalt beobachtet er, ob etwa die Fackel irgendeines seiner Wächter nur schwach brennt oder gar am Erlöschen ist. Wären die Leuchter nur menschlicher Fürsorge überlassen, dann würden die flackernden Flammen bald verglimmen und sterben. Nun aber ist er selbst der treue Wächter im Hause des Herrn, der zuverlässige Hüter der Tempelhöfe. Seine beständige Sorge und erhaltende Gnade sind die Quelle des Lebens und des Lichtes.“ – Das Wirken der Apostel, S. 582.

b. Beschreibe den Zweck von Gottes Botschaften an die Gemeinde als Ganzes, dargestellt durch die sieben Gemeinden in Offenbarung Kapitel 2 und 3.

„Die Namen der sieben Gemeinden sind Symbole der Gemeinde in den verschiedenen Abschnitten des christlichen Zeitalters. Die Zahl Sieben weist auf die Vollständigkeit hin und besagt, dass die Botschaften bis zum Ende der Zeiten reichen, während die Sinnbilder den Zustand der Gemeinde in den verschiedenen Abschnitten der Weltgeschichte offenbaren.“ – Das Wirken der Apostel, S. 582.
„Die Gemeinde zeigte Mängel auf, die Veranlassung zu ernstem Tadel und notwendiger Züchtigung gaben. Deshalb wurde Johannes vom Geiste Gottes eingegeben, Botschaften der Warnung, Ermahnung und Bitte an die aufzuzeichnen, deren Heil gefährdet war, weil sie die Grundlagen des Evangeliums aus dem Auge verloren hatten. Auch die Worte der Zurechtweisung, die Gott für notwendig erachtet, sind stets von herzlicher Liebe getragen und mit der Verheißung des Friedens für den reumütigen Gläubigen verbunden.“ – Das Wirken der Apostel, S. 583. 584.

Fragen zur persönlichen Wiederholung 22.05. (Fr)

1. Warum wurde Johannes als der geliebte Jünger bezeichnet, obwohl Jesus keine Lieblinge hatte?
2. Was bewirkte die Veränderung im Leben und Charakter des Johannes?
3. Wie vereitelte Gott die Pläne böser Leute, die versuchten, Johannes loszuwerden?
4. Was bedeutet die Offenbarung für uns, oft fälschlich „versiegeltes Buch“ genannt?
5. Welche Absichten hat Gott, wenn er seiner Gemeinde Zurechtweisungen erteilt?

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